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OSTERN

Am Ostersonntag spielen sich in Deutschland morgens seltsame Szenen ab: In Wohnungen, Häusern und Gärten laufen aufgeregt kleine Kinder umher, schieben Möbel zur Seite, heben Sofakissen an oder schauen hinter Bäumen und unter Büschen nach. Warum? An Ostern suchen die Menschen in Deutschland in den entlegendsten Winkeln nach bunt gefärbten Ostereiern, die in der Nacht zuvor der "Osterhase" gebracht und versteckt hat.

Doch wieso bringt ausgerechnet ein Hase zum christlichen Osterfest die Eier? "Das hat sich seit dem Mittelalter langsam entwickelt", erklärt die Biologin Beate Witzel von der Naturwissenschaftlichen Sammlung im Stadtmuseum Berlin. Damals galt der Gründonnerstag noch als Abschluss des laufenden Geschäftsjahres. Daher mussten die Bauern an diesem Tag den Grundbesitzern die Pachtzinsen zahlen - was sie meist mit Lebensmitteln taten. Da sich bei den Bauern wegen der vorangegangenen Fastenzeit besonders viele Eier angesammelt hatten, kochten sie diese und bezahlten damit ihre Zinsen. Mit den Eiern übergaben die Bauern ihren Herren oft auch zahlreiche tote Hasen, die sie auf ihren Feldern geschossen hatten.

"So ergab sich die Kombination "Eier und Hasen", die sich in den Köpfen der Menschen über die Jahre hinweg verfestigte", erläutert Witzel. Im 17. Jahrhundert begannen die Erwachsenen dann, den Kindern zu erzählen, dass die Eier vom Osterhasen kommen. Allerdings war das flinke Tier lange Zeit nicht der alleinige angebliche Eierbringer. Füchse, Störche und Kraniche machten ihm noch lange Zeit als Eierlieferanten Konkurrenz, erzählt die Biologin. Doch damit war nach dem Zweiten Weltkrieg endgültig Schluss. Denn die Schokoladenhersteller entdeckten das Tier mit den Kulleraugen für sich, produzierten zur Osterzeit nur Schokohasen - und sorgten so dafür, dass bis heute eben der Hase die Eier bringt.

Bunte Ostereier - gefärbt oder liebevoll bemalt

Aus dem österlichen Brauchtum sind sie nicht wegzudenken: Bunte und verzierte Eier, die Symbolträger des im Frühling neu erwachenden Lebens. Aus Schokolade oder gefärbt gehören sie auf jeden Ostertisch.

In den Tagen vor dem Fest greifen in Kaufhäusern und Drogeriemärkten viele Kunden zu Packungen mit Eierfarben. Wer viel Zeit und Geduld mitbringt, kann auch anders färben: Rote Beete erzeugt ein schönes Rot, Blauholz (Campechianum) ergibt ein sattes Blau. Mit Kurkuma-Pulver erzielt man ein Sonnengelb. Spinat färbt grünlich, mit Holunderbeeren werden Eier violett. Aus den Zutaten wird ein Sud gekocht, in dem die Eier gegart werden.

Die Kleinen greifen dagegen am liebsten selbst zu Pinsel oder Stift. Ausgeblasene Hühnereier - am besten weiße - werden liebevoll bunt mit Wasserfarben oder Filzstiften bemalt und schmücken dann mit einem Bändchen versehen den heimischen Osterstrauß.

 
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